Bahnhof

Der Eurostar braucht 20 Minuten durch den Eurotunnel. Der 50 Kilometer lange Tunnel verbindet das europäische Festland mit der Britischen Insel. Die Idee des Eurotunnels besteht schon seit dem 18. Jahrhundert. Eröffnet wurde der Tunnel 1994 – gut 200 Jahre später. Während diesen 200 Jahren wurden Überlegungen angestellt, Ideen entworfen und wieder verworfen. Vor allem mussten die beiden Länder England und Frankreich während dieser Zeit an einem weiteren Projekt arbeiten: An der Beziehung untereinander. So wurde das Projekt Eurotunnel nicht nur durch die Frage ob es technisch möglich ist, auch durch Unstimmigkeiten und Kriege zwischen den beiden Ländern verzögert. Dieser Widerstand musste über die Jahre abgebaut werden. Und heute bewegt der Eurostar ...

Reisende zwischen Bahnhöfen in Großbritannien, Frankreich, Belgien und Holland. Ganz nebenbei: Diese Informationen habe ich aus Wikipedia. Eine andere Idee die diese und noch weitere Länder verbindet, ist noch älter als die Idee des Eurotunnels. Sie ist 1200 Jahre alt: Es ist die Idee von Europa. Seit Karl dem Großen haben Menschen eine Vision von einem Kontinent, der in Einheit und Frieden lebt. Ebenso wie der Eurotunnel muss das Projekt Europa an der Beziehung zwischen den Ländern arbeiten. Unstimmigkeiten, Konflikte und Kriege zögern die Verwirklichung dieses Projektes über die Jahre hinaus. Auch diese müssen abgebaut werden. Und heute bewegt Europa Menschen von Polen nach Spanien, von Groß-britannien nach Griechenland und von Italien nach Schweden, ohne dass jemand seinen Pass vorzeigen muss. Eine der großen Herausforderungen für das Europa in den letzten Jahren ist der Brexit. Und in diesem Fall verstehe ich nur Bahnhof.

Der Brexit spaltet nicht nur Europa, sondern das Land an sich. Vor allem überrascht es mich jedoch, wie er die Bevölkerung spaltet, nämlich mit Hilfe von Desinformationen und falschen Informationen. In unserer heutigen Gesellschaft, in der wir uns über alles informieren können, passiert so etwas! Erschreckend! Menschen können Dinge sagen, und sie werden geglaubt, ohne dass man sie hinterfragt. Die Menschen scheinen sich damit abgefunden zu haben. Und zuletzt schien es so, als ob ein paar wenige entscheiden dürften, wie es für alle aussieht. Viele Fragen sind bis heute nicht geklärt. Was mich wiederrum motiviert sind die aktuellsten Bewegungen im britischen Parlament. Das ganze Land zeigt deutliches Interesse an dem Thema und informiert sich. Die Leute gehen für uns gegen den Brexit auf die Straße.

Mir fällt dazu ein Zitat von Karl dem Großen ein: „Die richtige Tat ist besser als das Wissen; aber um zu tun, was richtig ist, müssen wir wissen, was richtig ist.“  Karl der Große. De Litteris Colendis

Ende dieses Monats wird entschieden, ob und unter welchen Bedingungen Großbritannien aus der EU austritt. Meine Hoffnung, dass Europa trotzdem verbunden bleibt, bleibt bestehen. Nicht nur wegen der Tatsache, dass - trotz der kommenden Entscheidung - der Eurotunnel weiterhin Menschen innerhalb Europa verbindet. (Bild: Quelle Erich Westendarp  / pixelio.de)

Peter Lendrates, Geistlicher Leiter der Kolpingjugend

und Familienbildungsreferent des Kolpingwerks Diözese Rottenburg-Stuttgart